Disagio – Abschlag bei der Auszahlung eines Immobilienkredits
Das Disagio, auch Damnum oder Abgeld genannt, bezeichnet den Unterschied zwischen der vereinbarten Kreditsumme und dem tatsächlich an den Kreditnehmer ausgezahlten Betrag. Obwohl der Darlehensvertrag über den vollen Kreditbetrag abgeschlossen wird, erhält der Kreditnehmer einen geringeren Auszahlungsbetrag. Das Disagio dient in der Regel dazu, den vereinbarten Sollzinssatz eines Darlehens zu reduzieren.
Im Bereich der Immobilienfinanzierung wurde das Disagio früher häufig eingesetzt, um die laufende Zinsbelastung zu senken. Heute spielt es aufgrund veränderter Finanzierungsmodelle zwar eine geringere Rolle, kann jedoch insbesondere bei gewerblichen Finanzierungen oder individuellen Kreditvereinbarungen weiterhin relevant sein.
Was ist ein Disagio?
Das Disagio ist ein prozentualer Abschlag auf den vereinbarten Kreditbetrag.
Das bedeutet:
- Der Darlehensvertrag lautet auf den vollständigen Kreditbetrag.
- Ausbezahlt wird jedoch ein geringerer Betrag.
- Zurückgezahlt werden muss dennoch die gesamte vereinbarte Kreditsumme.
Das Disagio stellt wirtschaftlich betrachtet einen Teil der Finanzierungskosten dar.
Wie funktioniert ein Disagio?
Das Disagio wird bereits bei der Auszahlung des Darlehens berücksichtigt.
Beispiel
Ein Immobilienkredit beträgt:
- Kreditsumme: 300.000 €
- Disagio: 3 %
Der Kreditnehmer erhält:
- Auszahlung: 291.000 €
Zurückgezahlt werden müssen jedoch weiterhin:
- 300.000 € zuzüglich der vereinbarten Zinsen.
Die Differenz von 9.000 € entspricht dem Disagio.
Warum wird ein Disagio vereinbart?
Ein Disagio kann verschiedene Zwecke erfüllen.
Häufig dient es dazu:
- einen niedrigeren Sollzinssatz zu vereinbaren
- die monatliche Kreditbelastung zu reduzieren
- individuelle Finanzierungsmodelle zu gestalten
Vor allem bei langfristigen Finanzierungen kann diese Gestaltung wirtschaftlich sinnvoll sein.
Welche Vorteile bietet ein Disagio?
Ein vereinbartes Disagio kann folgende Vorteile haben:
Niedrigere Sollzinsen
Da ein Teil der Finanzierungskosten bereits zu Beginn bezahlt wird, fallen die laufenden Zinsen häufig geringer aus.
Geringere monatliche Kreditrate
Ein niedrigerer Zinssatz kann die monatliche Belastung reduzieren.
Planbare Finanzierungskosten
Je nach Kreditmodell lassen sich Finanzierungskosten gezielt gestalten.
Welche Nachteile hat ein Disagio?
Ein Disagio bringt auch Nachteile mit sich.
Geringere Auszahlung
Der Kreditnehmer erhält weniger Geld als vereinbart.
Höherer Eigenkapitalbedarf
Da ein Teil des Darlehens nicht ausgezahlt wird, muss die Differenz häufig aus Eigenmitteln finanziert werden.
Volle Rückzahlung der Kreditsumme
Trotz der geringeren Auszahlung muss der gesamte Kreditbetrag zurückgezahlt werden.
Deshalb sollte sorgfältig geprüft werden, ob ein Disagio wirtschaftlich sinnvoll ist.
Disagio bei der Immobilienfinanzierung
Bei Immobilienkrediten wird heute überwiegend mit klassischen Sollzinssätzen ohne Disagio gearbeitet.
Dennoch kann ein Disagio insbesondere vorkommen bei:
- gewerblichen Immobilienfinanzierungen
- individuellen Kreditvereinbarungen
- größeren Investitionsprojekten
Vor Abschluss eines Kreditvertrags sollte die Gesamtkostenbelastung sorgfältig verglichen werden.
Disagio und Effektivzins
Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen Sollzins und Effektivzins.
Sollzins
- beschreibt den vereinbarten Nominalzinssatz
Effektivzins
- berücksichtigt zusätzlich:
- Disagio
- Bearbeitungskosten
- sonstige Finanzierungskosten
Für den Vergleich verschiedener Finanzierungsangebote ist der Effektivzins daher aussagekräftiger.
Disagio beim Immobilienkauf
Wer eine Immobilie finanziert, sollte prüfen,
- ob ein Disagio vereinbart wurde,
- wie hoch der tatsächliche Auszahlungsbetrag ist,
- welche Auswirkungen auf die Gesamtkosten entstehen.
Ein niedriger Sollzinssatz wirkt auf den ersten Blick attraktiv, sollte jedoch immer gemeinsam mit dem Disagio bewertet werden.
Disagio und Tilgung
Das Disagio verändert grundsätzlich nichts an der Rückzahlung des Kredits.
Die Tilgung erfolgt weiterhin auf Basis der vollständigen Darlehenssumme.
Dadurch kann sich die tatsächliche Finanzierung verteuern, wenn ausschließlich auf den Sollzinssatz geachtet wird.
Das Disagio beeinflusst die tatsächlichen Finanzierungskosten
Das Disagio ist ein Abschlag auf die Auszahlung eines Darlehens und zählt zu den Finanzierungskosten eines Immobilienkredits. Obwohl der Kreditnehmer einen geringeren Betrag erhält, muss die vollständige Kreditsumme zurückgezahlt werden.
Wer eine Immobilie finanzieren möchte, sollte daher nicht nur auf den Sollzinssatz achten, sondern immer den Effektivzins und sämtliche Finanzierungskosten vergleichen. So lässt sich besser beurteilen, welches Finanzierungsangebot langfristig wirtschaftlich sinnvoll ist.
Alexander kauft und verkauft Immobilien im Weinviertel – Häuser, Wohnungen, Grundstücke. Die Begriffe in diesem Glossar erklärt er so, wie er sie auch im Kundengespräch erklärt: verständlich und ohne Paragraphendeutsch. Wenn nach dem Lesen noch etwas offen ist: einfach fragen, das kostet nichts.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde sorgfältig recherchiert, dient aber ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder finanzielle Beratung im Einzelfall. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an Rechtsanwalt, Notar oder Steuerberater. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 07/2026